Nachhaltige Mobilität

Neue Wege braucht die Stadt!

Fahrradfahrer und Fußgänger müssen sich den knappen Platz teilen

Als Geografin beschäftige ich mich schon mehrere Jahrzehnte mit den Fragen der nachhaltigen Mobilität als Teil der Stadtplanung sowie innovativen Beispielen weltweit. Einer meiner Leistungskurse versuchte den damaligen OB Peter Jung dafür zu begeistern, solche erfolgreichen Konzepte auch in Wuppertal umzusetzen. Aber bislang sind hier nur Vereine und Einzelpersonen wirklich tätig geworden.

Es gibt genügend Konzepte, Visionen, Masterpläne usw., die auch in dieser Stadt als Grundlage dienen können, wenn ein wirkliches politisches Interesse daran besteht, den Autoverkehr zu begrenzen und die anderen Verkehrsträger zu stärken.

Am Beispiel von New York kann man z.B. sehen, dass eine agile Verkehrsverwaltung mit dem Einsatz von Farbe, Pflanzkübeln, Schildern und Zeichen in nur sieben Jahren 650 km Radwege gebaut hat. In Wien wurde schon vor Jahrzehnten damit begonnen, den Parkraum für Autos zu bewirtschaften und das Straßenbahnnetz auszubauen. Der Individualverkehr ging zurück und die Lebensqualität in der Stadt stieg. In den Niederlanden sind die Fahrradwege prinzipiell von der Straße und den Fußwegen getrennt und in Tiefgaragen werden selbstverständlich Fahrradparkplätze eingeplant.

Was heißt das für Wuppertal?

Schon die wenigen Beipiele zeigen: wir brauchen nicht noch weitere Forschungsprojekte, oder Planungs-, Konzeptions- und Koordinierungsgruppen, um den Wuppertaler Verkehr nachhaltig zu gestalten. Vielmehr sind nun Managementqualitäten gefragt. Das Ziel ist klar, es muss mehr Raum geben für Fußgänger und Fahrradfahrer. Mit der Reparatur der öffentlichen Treppen und Fußgängerbrücken würde es wieder möglich, auf kurzen Wegen und bequem ohne Auto in die Innenstadt zu gelangen. Aber welch ein Trauerspiel bietet sich hier noch zur Zeit.

Seit Jahren gesperrt: Brücke über die Wupper in Barmen

Der öffentliche Nahverkehr in Wuppertal muss effizient gestaltet werden. Und das alles mit möglichst geringen finanziellen Mitteln. Niemand kann heute noch ernsthaft an diesem Ziel zweifeln. Erfolgreiche Politik aber muss Ziele umsetzen und nicht weitere Jahre mit Diskussionen verschwenden. Das Beispiel des Döppersberges zeigt ja gerade, wohin solch ausufernde städtische Planung führt: die Bürger bekommen ein städtebauliches Monstrum ohne Sinn und Zweck.

Die wirtschaftliche Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs sollte an erster Stelle umgesetzt werden. Der Verlust der Mobilitätssparte der WSW muss in einem ersten Schritt verringert werden, mittelfristig muss diese kostendeckend arbeiten. Die Ausweitung des Nahverkehrs kann auch über die Vergabe von zusätzlichen Beförderungslizenzen an private Unternehmen erfolgen. Hinzu kommt die Optimierung der Streckenführung durch weniger Haltestellen, schnellere Busse, eigene Busspuren und barrierefreie Einstiege. Die Ausweitung von Fußgängerzonen steigert nicht nur die Lebensqualität, sondern führt auch zu höheren Umsätzen für den lokalen Handel sowie einer wirtschaftlichen Aufwertung der angeschlossenen Wohnlagen. Dasselbe gilt für das Radverkehrsnetz. Wien, Kopenhagen, Amsterdam, das sind die Städte, die bei der Lebensqualität und dem Nahverkehrskonzept alle als vorbildlich gelten, dort wurde schon vor Jahrzehnten mit dem Umbau der städtischen Mobilität begonnen.

Hier fehlt immer noch ein Fahrradparkhaus

Eine Stadtverwaltung kann durch Vorgaben zur Flächennutzung sehr viel bewirken und private Initiativen erleichtern. Wichtig dabei ist, nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verfahren und ein einzelnes Fahrradparkhaus mit zwölf Plätzen schon als Innovation zu feiern. Vielmehr müssen gezielt ausgewählte öffentliche Flächen für privat betriebene Fahrradparkhäuser freigestellt werden, in Wohnquartieren gemessen an der Einwohnerzahl, an den Bahnhöfen gemessen am Pendleraufkommen. Das geht nur mit einem konsequenten Parkraummanagement im gesamten Stadtgebiet, das auch den lokalen Lieferverkehr nach Bedarf berücksichtigt.

Es fehlte bislang an Mut, Konsequenz und Fachlichkeit in der Wuppertaler Stadtverwaltung. Höchste Zeit, dass sich etwas ändert!