Solide Standortpolitik

Für Gewerbe und Wohnen

Innenstädte müssen attraktiv und lebendig sein

Die wirtschaftliche Krise, die durch die Ausgangsbeschränkungen wegen des Covid-19-Virus entstand, verschärft noch den Wandel der Innenstädte. Der Zuwachs des Online-Handels ist eine starke Konkurrenz für den Einzelhandel, Traditionsgeschäfte werden geschlossen. Immer mehr wird das Bild der Innenstadt von Handelsketten und Billigläden sowie Schnellgastronomie geprägt. Umsatzrückgänge sind die Folge, ein erheblicher Teil der potentiellen Kaufkraft wird nicht in den lokalen Geschäften umgesetzt. Lässt sich diese Entwicklung überhaupt noch bremsen oder gar umkehren?

Es kann jedenfalls keine Lösung sein, dass die Stadt brach liegende Immobilien aufkauft und versucht diese selbst zu entwickeln. Die politische Aufgabe besteht vielmehr darin, eine positive Ausgangslage für Unternehmen und Investoren zu schaffen sowie die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen klar zu kommunizieren. Damit ergibt sich die Chance, dass sich neue Unternehmen ansiedeln und Arbeitnehmer nach Wuppertal ziehen. Steuereinnahmen und Kaufkraft können nur so steigen.

Harte und weiche Standortfaktoren

Die Entscheidung für ein Unternehmen sich anzusiedeln hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Stadt kann nicht alle beeinflussen. Ihre Handlungsmacht besteht darin, Steuern und Gebühren festzulegen und die Flächennutzung über entsprechende Pläne zu definieren. Auch die Dauer von Genehmigungsverfahren und die Qualität der Beratung gehören zu ihrem Bereich. Das Angebot einer ansprechenden Infrastruktur, von Straßen über Parkplätze, Parks, Museen, öffentlichen Schulen, Schwimmbädern und Bibliotheken ist für das Unternehmen meist nicht ausschlaggebend, hilft aber bei der Suche nach qualifiziertem Personal, das eben Ansprüche an das Arbeits- und Wohnumfeld stellt.

Eine Stadt sollte einen Masterplan haben, der die Zonen für Gewerbe, Wohnen, Versorgung und öffentliche Dienste sowie Erholung und Bildung geographisch eindeutig festlegt. Erst dann kann sinnvollerweise über die Investitionen in die Infrastruktur entschieden werden. Einzelne Leuchtturmprojekte in den Stadtraum zu setzen und zu hoffen, diese werden schon positive Wirkung auf die gesamte Fläche entfalten, hat in der Vergangenheit nicht funktioniert. Vielmehr müssen die einzelnen Viertel miteinander verbunden werden, durch Grünstreifen, bauliche Gestaltung und Verkehrsmanagement, ohne dass sie ihre Identität verlieren.

Typisch für Wuppertal: Wohnen und Gewerbe nebeneinander

Für Wuppertal heißt dies, die typische Wohn- und Gewerbestruktur, die im wesentlich durch die Topographie und den Lauf der Wupper vorgegeben ist, als Ressource zu begreifen und weiter zu entwickeln. Bereits in der Gründerzeit ist diese Stadtstruktur angelegt worden mit kleinen Läden und Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss und Wohnungen darüber, bzw. mit Gewerbehallen und benachbarten Wohngebäuden. Eine solche Stadt der kurzen Wege mit viel Grün und hoher Aufenthaltsqualität ist nun wieder erwünscht. Also gilt es, die brach liegenden Gewerbeflächen und Gebäude in den Wohnvierteln wieder zu beleben. Bei der Genehmigung von Nutzungsänderungen kann eine Stadt dafür sorgen, dass vielfältige und auch hochwertige Geschäfte sich in den Wohnvierteln ansiedeln. Umgekehrt sollten Büro- oder Geschäftsflächen, die heute leerstehen, in hochwertigen Wohnraum umgewandelt werden. Die Digitalisierung und der demographische Wandel sprechen dafür, nicht von steigendem Flächenverbrauch in der Stadt auszugehen. Vielmehr sollte eine Um- bzw. Nachnutzung der vorhandenen Bausubstanz das Mittel der Wahl sein. Die Stadt kann dafür die entsprechende Genehmigung und Beratung anbieten. Einen sehr wirksamen Effekt hätte dann noch die Senkung des Gewerbesteuersatzes, mindestens auf das Niveau Düsseldorfs.

Die Stadt als grünes Band entlang der Wupper

In der Vergangenheit sind viele Initiativen umgesetzt worden, den Zugang zur Wupper zu öffnen und den Fluss als Naherholungsraum zu nutzen. Dieses richtige Konzept muss weiter umgesetzt werden, vor allem durch eine Anbindung der benachbarten Wohnviertel. Verkehrsberuhigung, Parkraummanagement, Fahrradstraßen und Fußgängerzonen sind dafür die geeigneten Mittel. Im Vergleich hat keine der umliegenden Städte dieses Potential. Mit der Schaffung attraktiver Wohnviertel mit vielfältigen Gewerbeimmobilien werden sich mehr Menschen und Unternehmer für die Stadt entscheiden.